Gesundheit & Vorsorge

Welche Impfungen sind sinnvoll?

Was Pflicht ist, was sich lohnt und was ihr euch sparen könnt

In Deutschland gibt es kein Gesetz, das besagt, dass man seine Katze impfen lassen muss. Impfungen helfen jedoch bei der Abwehr des Körpers gegen Erkrankungen. Die richtige Schutzimpfung ist eine sehr wichtige Maßnahme für die Gesundheit eurer Katze.

Natürlich gibt es auch Krankheitserreger, die von der Katze auf den Menschen übergehen können, sogenannte Zoonosen. Eine Impfung kann hier vorbeugen. Ebenfalls wird durch die verschiedenen Impfstoffe die Verbreitung vieler katzentypischer Krankheiten in Deutschland deutlich verringert.

Was muss vor einer Impfung beachtet werden?

Das Impfen eurer Katze ist ohne Frage sehr wichtig, um sie vor Krankheiten zu schützen. Trotzdem sollte man sich immer über die Risiken und Nebenwirkungen des Impfens informieren. Hier kann am besten die zuständige Tierarztpraxis helfen.

Wenn ihr eure Katze zum Tierarzt bringt, um sie impfen zu lassen, sollte sie gesund sein, da der Impfstoff sie kurzzeitig schwächt. Das heißt auch, dass sie keine Parasiten hat und gut ernährt ist. Nur so kann die Impfung erfolgreich durchgeführt werden. Wenn die Katze schon vor der Impfung geschwächt oder krank ist, würde der Impfstoff keine oder keine ausreichende Immunität bewirken.

Katze mit Halskrause schaut aufmerksam in die Kamera

Was nach der Impfung normal ist

Leichte Reaktionen in den ersten ein bis zwei Tagen gehören dazu: etwas Müdigkeit, eine kleine Schwellung an der Einstichstelle oder weniger Appetit. Das zeigt, dass das Immunsystem arbeitet.

Hält das länger an, kommt Fieber dazu oder wirkt eure Katze deutlich matt, ruft in der Praxis an. Gleiches gilt, wenn die Schwellung nach Wochen noch tastbar ist.

Was passiert durch die Impfung?

Lasst ihr eure Katze impfen, passiert genau das Gleiche wie bei uns Menschen oder anderen Tieren. Das Immunsystem erkennt körperfremde Eindringlinge und bekämpft diese, indem es Abwehrstoffe (Antikörper) bildet. Der Impfstoff enthält die Erreger in abgeschwächter oder abgetöteter Form und ist damit ungefährlich.

Der Impfstoff wird dem Körper durch eine Spritze zugeführt. Der Körper lernt den Erreger so auf eine ungefährliche Art und Weise „kennen“ und bildet die Antikörper gegen ihn. Die Antikörper werden so bereits im Körper angelegt und können im Ernstfall eine schwerwiegende Erkrankung verhindern.

Getigerte Katze liegt entspannt

Welche Impfungen sind notwendig?

Die StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) unterscheidet zwischen Impfungen, die jede Katze bekommen sollte, und solchen, die von den Lebensumständen abhängen.

Für jede Katze

Katzenseuche und Katzenschnupfen gehören zur Grundimmunisierung – auch bei reinen Wohnungskatzen, weil beide Erreger über Schuhe, Kleidung und Gegenstände ins Haus kommen.

Für Freigänger zusätzlich

Tollwut und Katzenleukämie (Leukose). Beide werden über direkten Kontakt zwischen Katzen übertragen und sind deshalb vor allem draußen ein Thema.

Je nach Lebensumständen sinnvoll

Diese Impfungen können zusätzlich infrage kommen. Eure Tierarztpraxis kann euch beraten, was zu eurer Katze passt – es gibt noch eine Vielzahl weiterer Impfstoffe.

Bordetella bronchiseptica

Möglicher Auslöser für Erkrankungen der Atemwege. Vor allem in Mehrkatzenhaushalten und Tierpensionen ein Thema.

Chlamydien

Möglicher Auslöser für Bindehautentzündungen. Besonders relevant bei Katzenjungen und in Gruppen.

FIP (Felines Coronavirus)

Möglicher Auslöser für Bauchfellentzündungen. Der Nutzen dieser Impfung wird fachlich unterschiedlich bewertet – hier lohnt das Gespräch mit der Praxis.

Leukose (FeLV)

Felines Leukämie-Virus. Vor der Impfung wird getestet, ob die Katze bereits infiziert ist – bei positivem Ergebnis bringt die Impfung nichts mehr.

Pilzinfektionen

Vor allem bei Zuchten und in Beständen mit wiederkehrenden Hautpilzproblemen.

Wogegen es keine Impfung gibt

Gegen das Feline Immundefizienz-Virus (Katzen-Aids, FIV) gibt es in Europa aktuell keine zugelassene Impfung. Schutz bietet hier nur, Revierkämpfe zu vermeiden – also vor allem die Kastration von Freigängern.

Freigänger oder Wohnungskatze: die Unterschiede

Da eure Wohnungskatze in der Regel keinen direkten Kontakt mit freilebenden Artgenossen hat, wird sie nicht so häufig mit den typischen Katzenkrankheiten konfrontiert. Es gibt allerdings auch Erkrankungen, bei denen kein direkter Kontakt mit Artgenossen bestehen muss, um sich anzustecken, beispielsweise bei der Katzenseuche und dem Katzenschnupfen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Wohnungskatzen und Freigänger gleichermaßen gegen diese Erkrankungen geimpft werden.

Bei Erkrankungen wie der Tollwut oder der Katzenleukämie sind meist Freigänger betroffen, da diese Erkrankungen durch den direkten Kontakt der Tiere übertragen werden. Aus diesem Grund müssen Wohnungskatzen nur dann geimpft werden, wenn sie Kontakt mit Freigängern haben.

Katze balanciert draußen auf einer Stange

Wer braucht was?

Hier findet ihr auf einen Blick, gegen welche Krankheiten welche Katze geimpft werden sollte.

Beide, immer

Katzenseuche und Katzenschnupfen

Freigänger: ja.
Wohnungskatzen: ja. Die Erreger kommen auch ohne Katzenkontakt ins Haus – über Schuhe, Kleidung und Gegenstände.
Freigänger ja

Tollwut und Leukose

Freigänger: ja.
Wohnungskatzen: nur bei Kontakt mit Freigängern, in Katzenpensionen oder auf Reisen. Für Auslandsreisen ist Tollwut Pflicht.
Im Einzelfall

Bauchfellentzündung (FIP)

Freigänger: nach Absprache mit der Praxis.
Wohnungskatzen: nach Absprache mit der Praxis.

Was kostet eine Impfung für Katzen?

Jeder Katzenbesitzer weiß, dass im Laufe des Katzenlebens auch einige Kosten anfallen, die man nicht immer gleich auf dem Plan hat. Dazu gehören auch die Tierarztkosten für die regelmäßigen Impfungen. Diese Kosten setzen sich aus dem Impfstoff, der vorhergehenden Untersuchung, der Injektion des Impfstoffes und der Ausstellung der Impfbescheinigung zusammen. Bei der Abrechnung der Leistung orientieren sich Tierärzte an der offiziellen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT).

Die Kosten der Impfung hängen davon ab, wie viele Impfstoffe gegeben werden. Wie sich Tierarztrechnungen grundsätzlich zusammensetzen, steht im Beitrag Tierarztkosten für die Katze.

Bengalkatze liegt entspannt auf weißer Decke

Hier eine kleine Hilfe für die ungefähren Preise:

50–70 €
Grundimmunisierung Wohnungskatze

Für die komplette Startserie im Kittenalter, also mehrere Termine. Freigänger liegen wegen Tollwut und Leukose höher.

160–200 €
Grundimmunisierung Freigänger

Mehr Impfstoffe, mehr Termine. Die Kastration und der Chip kommen meist noch dazu.

35–150 €
jährliche Auffrischung

Rund 35 bis 60 Euro bei Wohnungskatzen, 100 bis 150 Euro bei Freigängern. Je nach Präparat wird nicht mehr jedes Jahr alles nachgeimpft.

Ab wann sollte man eine Katze impfen lassen?

Um eurem Kätzchen einen guten und sicheren Start ins Leben zu ermöglichen, sollte bereits im Kittenalter erstmals gegen die gefährlichsten Infektionen geimpft werden. Eine frühzeitige Impfung ab der 8. Woche wird empfohlen. Nach wenigen Wochen folgt dann die erste Auffrischung.

Um das Wohl eurer Katze zu sichern, sollte bei einer ordnungsgemäß geimpften Katze regelmäßig nachgeimpft werden, da die Menge der schützenden Antikörper mit der Zeit abnimmt. Der Impfpass, der für jede Katze ordentlich geführt werden sollte, dient als Dokumentation der Impfungen – wie bei uns Menschen auch – und wird vom Tierarzt nach jeder Impfung aktualisiert. So kann jederzeit nachvollzogen werden, wann welche Impfung vorgenommen wurde.

Katze in einer Kratzbaumhöhle

Wichtige Hinweise zur Impfung auf einen Blick

Mindestalter bei der ersten Impfung

Ein Kätzchen sollte frühestens ab der 8. Lebenswoche geimpft werden. Ab diesem Alter sollte mit der Grundimmunisierung gegen die gängigsten Katzenkrankheiten wie Katzenseuche und Katzenschnupfen begonnen werden. So sind die Kitten vor lebensbedrohlichen Krankheiten geschützt.

In den ersten Lebenswochen nach der Geburt werden die Kitten durch die Antikörper geschützt, die sie im Mutterleib über die Blutzirkulation der Mutter aufgenommen haben. Danach werden die Antikörper der Mutter durch die Milch auf die Kitten übertragen. In diesem Zeitraum bauen die Kitten nur bedingt eine eigene Immunität gegen Krankheitserreger auf.

Deshalb sollten die Kitten im Alter von 12 Wochen noch einmal nachgeimpft werden. Sollte das Kitten die erste Impfung erst nach diesen 12 Wochen bekommen, reicht eine Impfung, um eine sichere Immunität aufzubauen.

Kurz beantwortet

Kurze Infos zu den Katzenkrankheiten

Klappt auf, was euch interessiert – jede Krankheit mit Erreger, Übertragungsweg und Impfrhythmus.

In den meisten Fällen ist das Feline Panleukopenie-Virus Auslöser der Katzenseuche. Der Virus hat Ähnlichkeit mit dem Erreger der Parvovirose beim Hund. Die Übertragung ist von Tier zu Tier, aber auch über Gegenstände möglich. Die Ausbreitung der Katzenseuche kann sehr schnell gehen. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und kann so eine permanente Gefahr für nicht geimpfte Katzen darstellen. Der Erreger kann sich in den Ausscheidungen von erkrankten Katzen befinden oder auch im Kot der Katzen, die die Krankheit bereits überstanden haben.

Die Impfung sollte ab der 8. Lebenswoche erfolgen. Bei dem Impfstoff gibt es unterschiedliche Präparate. Je nachdem, welches davon verwendet wurde, sollte die Impfung jedes Jahr oder alle drei Jahre erneut aufgefrischt werden. Die Tierarztpraxis kann euch dazu Auskunft geben.

Am häufigsten tritt die Katzenseuche bei jungen Katzen auf. Aber auch ältere Katzen gehören zur Risikogruppe. Die ersten Krankheitsanzeichen treten drei bis neun Tage nach der Ansteckung auf. Dazu zählen unter anderem Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Futterverweigerung und Erbrechen.

Auslöser des Katzenschnupfens sind feline Calici- und Herpesviren. Die Erkrankung ist hoch ansteckend und kann bis zu einer Lungenentzündung der Katze führen. Wenn der Katzenschnupfen nicht behandelt wird, kann er im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Eine Impfung ist wie bei der Katzenseuche ab der 8. Lebenswoche möglich und empfehlenswert. Ist eure Katze ein Freigänger, raten Tierärzte, jährlich impfen zu lassen; bei einer Wohnungskatze reicht auch alle zwei bis drei Jahre.

Tollwut ist immer tödlich. Die Tollwutimpfung bietet nicht nur eurer Katze Schutz, sondern auch euch und allen anderen, die in Kontakt mit eurer Katze kommen, da Tollwut auch von Katzen auf den Menschen übertragen werden kann und auch für den Menschen tödlich endet. Weltweit sterben nach Angaben der WHO etwa 50.000 Menschen an Tollwut.

Der Erreger der Krankheit ist das Tollwut-Virus (Lyssa-Virus oder Rhabdo-Virus). Für den Fall, dass eure Katze auf Reisen ins Ausland mitgenommen werden soll, ist eine Tollwutimpfung sogar erforderlich – und zwar mindestens 21 Tage vor der Einreise. Von Tollwut betroffen sind allerdings meist nur Freigänger. Die Impfung kann ab der 12. Lebenswoche vorgenommen werden. Je nach Präparat muss die Impfung alle zwei bis drei Jahre wiederholt werden.

Bei Katzenleukämie oder Leukose handelt es sich um eine Erkrankung, die zurzeit nicht heilbar ist. Sie kann zu Tumoren und einer Störung der Blutzellbildung führen. Die Krankheit wird von Katze zu Katze übertragen, daher sind Freigänger eine hohe Risikogruppe.

Wenn eure Katze gern draußen auf Streifzug geht, solltet ihr sie ab der 9. Lebenswoche impfen lassen. Eine Nachimpfung sollte jährlich oder alle drei Jahre gemacht werden. Vor der ersten Impfung wird getestet, ob die Katze bereits infiziert ist – bei einem positiven Ergebnis bringt die Impfung keinen Schutz mehr.

Am häufigsten äußert sich FIP in einer Bauchfellentzündung, in manchen Fällen betrifft es auch nur das Brustfell. Katzen, die sich bester Gesundheit erfreuen, haben gute Chancen, dass sich die Corona-Viren nicht in FIP entwickeln. Die Krankheit wird meist nicht direkt von Katze zu Katze übertragen. FIP ist eine tödliche Erkrankung.

Die Impfung ist ab der 8. Lebenswoche möglich. Die Erkrankung ist ähnlich wie eine Bindehautentzündung und betrifft vor allem die Augen. Sie äußert sich in einer ein- oder beidseitigen Bindehautentzündung. Die Krankheit ist besonders ein Problem bei Katzenjungen und in Mehrkatzenhaushalten. Der Chlamydienschnupfen kann von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen werden.

Ein gesundes Immunsystem sowie hochwertige Ernährung, wärmende Liegeplätze und viele Schmuseeinheiten bieten einen zusätzlichen Schutz für die Katze.

Impfen mit Plan statt nach Gefühl

Katzenseuche und Katzenschnupfen gehören zur Grundausstattung jeder Katze, Tollwut und Leukose kommen bei Freigang dazu. Alles Weitere entscheidet sich an der Frage, wie eure Katze lebt – und nicht daran, was der Kalender sagt.

Nehmt zum Termin den Impfpass mit und fragt nach einem Impfprogramm, das zu eurer Katze passt. Pauschal jedes Jahr alles nachimpfen ist längst nicht mehr Standard.

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Quellen & Einordnung

Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welche Impfungen für eure Katze sinnvoll sind, entscheidet die Praxis anhand von Alter, Haltung und Gesundheitszustand.

StIKo Vet – Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, Leitlinie zur Impfung von Kleintieren

Die genannten Preise sind Orientierungswerte nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und können je nach Praxis und Satzfaktor abweichen.

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